Nassrins öst-westliche Nacht - Literatur - Farsaie

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Nassrins öst-westliche Nacht

Klappentext:

Nach einem Verkehrsunfall landet die in Deutschland lebende Iranerin Nassrin auf der chirurgischen Station eines Krankenhauses. Die Nacht- und Morgenstunden werden für sie zu einer existenziellen Reise durch Zwischenreiche der Kulturen, deren dramatisches Potenzial sich nicht allein aus dem Aufeinandertreffen von Ost und West speist, sondern ebenso aus dem Ineinanderfließen der Sphären von Erinnerung und Gegenwart, Traum und Realität, innerer Imagination und literarischer Reflexion.

Mit spielerischer, zwischen Komik und Ernst schwebender Ironie erzählt Fahimeh Farsaie von alltäglichen Konflikten und Kommunikationsbarrieren, kleinen Katastrophen und großen Sehnsüchten von Migrantinnen in Deutschland. Schließlich gelangt ihre Protagonistin Nassrin zu der Erkenntnis, dass sie in ihrem Kampf gegen unflexible Bürokratie, Egoismus und zwischenmenschliche Kälte sowie gegen das Aufsteigen lähmender Erinnerungen und Unheilsprophezeiungen allein auf ihre eigene Kraft vertrauen muss, auf den unbedingten Willen, die individuelle Würde zu wahren.

Textauszug:

Plötzlich bremste Shahla. Der Abstand zu dem glänzenden rot-weißen Band, mit dem der Fahrradweg abgesperrt worden war, betrug noch etwa zwanzig Meter. Sie hatte aber gebremst, hatte die eisernen Bremsfühler an der Lenkstange zusammengepresst und einfach angehalten. Als der Glanz jenes Bandes sie blendete, träumte sie mit halb offenen Augen vom süßen, feinen Geschmack eines duftenden Royal-Gala-Apfels, den sie aufessen wollte, sobald sie zuhause angekommen wäre. Sie bremste aber hektisch, bevor sie ihre trügerische Phantasie zu Ende träumen konnte.

Alles war abgeriegelt, nicht nur der Fahrradweg, sondern auch die Straße. Es war ein Uhr morgens. Auf der Straße herrschte noch buntes Treiben: Musik, Tanz, Bier. Auf dem Fahrweg fand, wie jedes Jahr, das Straßenfest statt: Farbe, Licht, Jubeln und Johlen. Ein junger Mann, mit ähnlichem Hut und ähnlicher Stimme wie Udo Lindenberg, näselte betrunken ins Mikrofon: „Es geht mir gut, es geht mir gut“ und schlenderte leger auf der Bühne, von links nach rechts und umgekehrt.

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