Das giftige Grün des Herzens - Theaterstück - Farsaie

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»Das giftige Grün des Herzens“ ist ein einfühlsames Portrait über die magisch-rätselhafte Liebes- und Freundschaftsgeschichte zwischen Menschen aus unterschiedlichen kulturellen Welten, die ihre Hoffnung auf eine zweite Chance im Leben nicht aufgeben wollen.«

Leseprobe

Das giftige Grün des Herzens

Erster Akt

1. Szene

Gefängnis (Maryam, Wächterin, Gabi)
Maryam wird mit verbundenen Augen auf die Bühne geschubst, eingerichtet mit einem Tisch und zwei Stühlen. Am Ende des Raumes sind Treppen zu sehen, die in den 2. Stock führen.

Wächterin (OFF):
Yallah, yallah, beweg dich, Maryam Khanoom, schnell!

Maryam:
Was gibt es wieder? Ich will zurück in meine Zelle … Da habe ich wenigstens meine Ruhe −

Wächterin (OFF):
Du bist nicht hier, um dich auszuruhen, sondern um für deine Sünden zu büßen! Augenband ab, yallah − (ironisch) Oder hat die Dame vielleicht den ersten Preis bei der Koran-Rezitation gewonnen: Aufenthalt in einem 4-Sterne-Hotel, Vollpension? 

Maryam:
Was heißt 4-Sterne-Hotel? Ihr verhört und foltert mich fast jeden Tag. Ich fürchte, am Ende bleibt von meinem Körper nicht mehr viel zu steinigen; Haut und morsche Knochen −

Wächterin (OFF):
Die Dinge habe nicht ich gemacht. Ich folge nur dem Befehl. Heute gibt es außerdem kein Verhör, (leise) das habe ich dir aber nicht gesagt. Was du allerdings Folter nennst, sind Strafmaßnahmen. Steht, schwarz auf weiß, auch im Gesetz, sagen die Brüder Passdaran, die Revolutionswächter. Warte hier und sei still-

Maryam (bestimmt):
Ich will doch in meine Zelle zurück. (zu sich) Da muss ich mich nur mit der Stille abfinden, nicht mit euren Lügen-

Wächterin (OFF):
Jetzt hast du erst mal Besuch. Ihr habt eine Viertelstunde Zeit.

 

2. Szene

Eine in einen schwarzen Tschador gehüllte Frau kommt verlegen auf die Bühne und legt langsam den Schleier ab. Sie geht auf Maryam zu.

Maryam (fassungslos):
Du, Gabi? Bist du es? (freut sich) Ist das wahr?

Gabi:
So wollte es der HERR! Maryam.

Maryam (ironisch, zurückhaltend):
Dass ich hier bin, ist auch SEIN Wille, (lacht) sagen die Leute hier.

Gabi (beeilt sich, Maryam zu umarmen):
Gott, wie siehst du aus, ein Schatten deiner selbst? Sehe ich richtig? Und deine Haare −

Maryam:
Hübsch, nicht? Wie ein Engel, ich meine, wie der Engel Israel. Wann bist du angekommen?

Wächterin (OFF):
Nicht so nah, nicht so nah!

Beide Frauen schauen sich eine Weile an. Maryam zittert, bleibt aber zurückhaltend. Gabi ist den Tränen nahe, will Maryam umarmen, zögert aber.

Gabi (kämpft mit den Tränen):
Oh Gott, Maryam −

Maryam (versucht sich zu beherrschen):
Mensch, Gabi. Wir … Du … Wann bist du angekommen?

Gabi (streift die Haare aus Maryams Stirn):
Gestern. (leise) Hab sofort alles stehen und liegen lassen, als ich deine Nachricht gekriegt habe. Das Visum −

Wächterin (OFF):
Nicht so nah, Abstand, habe ich gesagt. Nicht flüstern, lauter, lauter.

Gabi:
Das Visum; mit »Empfehlung«. Einer von oben hat angerufen- Allah ist groß!

Maryam:
Und hier? Wie bist du hier −

Gabi:
Hierher hat mich Junes, dein Cousin gefahren, direkt vom Flughafen. Junes hat mir am Telefon ein paar Tipps gegeben; »Flaschen« vom Duty-free-Shop. Allah vergib uns. Und Medikamente natürlich, das chemische Gold, sagte er. Die hatte ich auch dabei −

Maryam:
Inzwischen ist es sogar wertvoller als Gold. Die Sanktionen machen den einfachen Leuten zu schaffen.

Wächterin (OFF):
Nicht flüstern, Weiber, laut, lauter.

Maryam (laut und herausfordernd):
Hast du einen guten Flug gehabt? Ist dir das laut genug, Khanoom Abadi?

Wächterin (OFF):
Ja, gut so. (lacht) Sonst schlafe ich ein.

Männerstimme (OFF):
Nee, nee, Frau Abadi. Wir passen auf. Glaubst du, das hier ist ein 4-Sterne Hotel? Komm, der Chef will dich sehen.

Wächterin (OFF):
Ich komme, (leise) Gott hüte mich vor diesen Passdaran.

 

Das Projekt INZUKUNFT

 »Ziel des Wettbewerbes des Westfälischen Landestheaters ist es, Menschen zu ermutigen, für die Bühne zu schreiben, die sich bisher noch kaum im deutschen Theater vertreten sahen. Es geht darum, die Vielfalt kultureller Hintergründe innerhalb der deutschen Gesellschaft für die Bühne zu öffnen.«

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